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Warum Hunde lernen, was sie lernen – Teil 2

  • 25. Januar 2026
  • Birthe Thompson

Über Belohnung, Strafe und die Missverständnisse moderner Hundeerziehung

Nachdem wir im ersten Teil betrachtet haben, warum Hunde Grenzen brauchen, stellt sich zwangsläufig die nächste Frage. Wie lernen Hunde eigentlich, was gilt und was nicht?

Kaum ein Thema wird in der Hundewelt so leidenschaftlich und emotional diskutiert wie das von Belohnung und Strafe. Auf der einen Seite steht das sogenannte positive Training, auf der anderen Seite Methoden, die als aversiv bezeichnet werden. Dazwischen stehen viele Hundehalter*innen, die verunsichert sind, die alles richtig machen möchten und dennoch nicht genau wissen, woran sie sich orientieren sollen.

Was dabei häufig verloren geht, ist der Blick auf das Wesentliche. In der öffentlichen Diskussion entsteht häufig der Eindruck, dass allein die Wahl der Methode darüber entscheidet, ob Training richtig oder falsch ist. Eine solche Vereinfachung wird der Komplexität von Lernprozessen jedoch nicht gerecht.

Nicht jede Methode ist automatisch legitim, nur weil sie funktioniert. Lernerfolg darf niemals losgelöst von emotionaler Sicherheit, Beziehungsqualität und Zumutbarkeit für den Hund betrachtet werden. Gleichzeitig entscheidet nicht das Etikett einer Trainingsphilosophie darüber, ob Lernen gelingt, sondern wie verständlich, vorhersehbar und sozial eingebettet ein Lernprozess gestaltet ist.

Hunde lernen nicht, weil ein Ansatz positiv oder aversiv genannt wird. Sie lernen, weil ihr Verhalten in einer konkreten Situation nachvollziehbare Konsequenzen hat, die sie emotional einordnen können. Dabei spielt die Beziehung zum Menschen eine zentrale Rolle. Sie bildet den Rahmen, in dem Rückmeldung überhaupt erst Sinn ergibt. Hunde lernen nicht in Trainingsphilosophien und nicht in Schlagworten. Sie lernen in Beziehungen, die Orientierung geben, Sicherheit vermitteln und Grenzen nachvollziehbar machen.

Lernen folgt keiner Moral, sondern Funktion

Warum Hunde lernen, was sie lernen.

Um Hunde wirklich zu verstehen, ist es wichtig, sich von moralischen Kategorien zu lösen. Hunde lernen nicht gut oder schlecht. Auch fair oder unfair ist für sie keine Kategorie.
Und sie lernen nicht ideologisch.

Hunde lernen funktional. Das bedeutet, sie lernen das, was für sie einen Unterschied macht. Das, was Wirkung zeigt. Das, was sich lohnt oder was spürbare Konsequenzen nach sich zieht. Ob wir Menschen dieses Lernen als angenehm oder unangenehm bewerten, ist für den Hund zunächst zweitrangig. Entscheidend ist allein, ob sein Verhalten in der jeweiligen Situation etwas verändert.

Viele Missverständnisse in der Hundeerziehung entstehen genau an diesem Punkt. Menschliche Wertvorstellungen werden auf Lernprozesse übertragen. Begriffe wie Belohnung oder Strafe werden moralisch aufgeladen, obwohl sie aus lerntheoretischer Sicht zunächst lediglich beschreiben, ob ein Verhalten häufiger oder seltener gezeigt wird.

Was Belohnung und Strafe in der Lerntheorie wirklich bedeuten

Belohnung und Starfe

In der Lerntheorie haben die Begriffe Belohnung und Strafe eine sehr präzise, technische Bedeutung. Sie beschreiben keine Absicht, keine Moral und keine emotionale Bewertung, sondern ausschließlich die Wirkung auf ein Verhalten.

Eine Belohnung ist alles, was dazu führt, dass ein Verhalten häufiger gezeigt wird.
Eine Strafe ist alles, was dazu führt, dass ein Verhalten seltener gezeigt wird.

Mehr ist damit zunächst nicht gemeint.

Um diese Begriffe richtig einordnen zu können, ist eine weitere Unterscheidung wichtig. In der Lerntheorie beschreibt das Wort positiv, dass etwas hinzugefügt wird. Das Wort negativ beschreibt, dass etwas weggenommen wird. Positiv bedeutet dabei nicht gut, und negativ bedeutet nicht schlecht. Es geht ausschließlich um Hinzufügen oder Entziehen.

Daraus ergeben sich vier grundlegende Wirkprinzipien.

Eine positive Belohnung liegt vor, wenn dem Hund etwas Angenehmes hinzugefügt wird und das Verhalten dadurch häufiger gezeigt wird. Das kann Futter, Spiel, soziale Zuwendung oder Zugang zu einer Ressource sein.

Eine negative Belohnung bedeutet, dass etwas Unangenehmes weggenommen wird und das Verhalten dadurch häufiger gezeigt wird. Der Hund lernt in diesem Fall, durch sein Verhalten eine unangenehme Situation zu beenden.

Eine negative Strafe liegt vor, wenn dem Hund etwas Bedeutsames entzogen wird und das Verhalten dadurch seltener gezeigt wird. Ein anschauliches Beispiel ist ein Apportel, das für den Hund einen hohen Wert hat. Zeigt der Hund ein unerwünschtes Verhalten, wird ihm der Zugang zu diesem Apportel entzogen. Führt dieser Entzug dazu, dass der Hund das Verhalten künftig seltener zeigt, spricht die Lerntheorie von negativer Strafe. Dem Hund wird dabei nichts angetan. Es wird lediglich der Zugang zu etwas Wertvollem eingeschränkt.

Eine positive Strafe bedeutet, dass dem Hund etwas Unangenehmes hinzugefügt wird und das Verhalten dadurch seltener gezeigt wird. Das kann ein aversiver Reiz sein, etwa ein unangenehmes Geräusch oder ein körperlicher Impuls. Führt dieser hinzugefügte Reiz dazu, dass der Hund das Verhalten seltener zeigt, beschreibt die Lerntheorie dies als positive Strafe.

Wichtig ist an dieser Stelle die klare Abgrenzung. Dass eine Maßnahme lerntheoretisch als positive Strafe beschrieben werden kann, bedeutet nicht, dass sie fachlich sinnvoll, ethisch vertretbar oder langfristig empfehlenswert ist. Lerntheorie beschreibt Wirkzusammenhänge. Sie bewertet nicht, welche Mittel verantwortungsvoll sind oder welche Beziehungsgestaltung einem Hund gerecht wird.

Entscheidend bleibt ein zentraler Punkt. Nicht die Absicht des Menschen entscheidet, sondern die Wahrnehmung des Hundes. Ob etwas belohnend oder strafend wirkt, zeigt sich ausschließlich daran, wie der Hund darauf reagiert und ob sich sein Verhalten verändert.

Zwei Lernwege, die häufig verwechselt werden

Wenn wir verstehen wollen, warum manche Trainingsansätze erstaunlich gut funktionieren und andere immer wieder an ihre Grenzen stoßen, lohnt sich ein Blick auf zwei grundlegend unterschiedliche Lernwege. Das Lernen über Erwartung und das Lernen über Begrenzung.

Lernen über Erwartung, wenn Verhalten sich lohnt

Das Lernen über Erwartung wird in der Lerntheorie als appetitives Lernen bezeichnet. Appetitiv bedeutet in diesem Zusammenhang anziehend oder hin zu etwas. Der Hund zeigt ein Verhalten, weil er mit etwas Angenehmem rechnet.

Bello setzt sich, weil er Futter erwartet. Bella sucht Blickkontakt, weil sie Aufmerksamkeit erwartet und Donna Krawalla kommt zurück, weil sie gelernt hat, dass sich Rückkehr lohnt. Dieses Lernprinzip eignet sich hervorragend, um neues Verhalten aufzubauen. Rückruf, Orientierung am Menschen oder Signale wie Sitz oder Platz lassen sich über appetitives Lernen sehr zuverlässig etablieren. Der Hund handelt dabei aktiv, motiviert und erwartungsvoll.

Lernen über Begrenzung, wenn Verhalten keinen Sinn mehr ergibt

Ganz anders verhält es sich beim Lernen über Begrenzung, auch als aversives Lernen oder Lernen über Hemmung beschrieben. Hier geht es nicht darum, ein Verhalten zu zeigen, sondern darum, ein Verhalten nicht zu zeigen, obwohl es grundsätzlich möglich wäre.

Der Hund könnte bellen, jagen oder nach vorne gehen. Er tut es aber nicht, nicht weil er abgelenkt ist, sondern weil er gelernt hat, dass dieses Verhalten nicht zielführend ist. Dieses Lernen entsteht nicht über Erwartung, sondern über Erfahrung mit Grenzen. Es ist kein passives Lernen, sondern eine bewusste Entscheidung des Hundes gegen ein bestimmtes Verhalten.

Beibringen und Abgewöhnen sind nicht dasselbe

Viele Trainingsprobleme entstehen, weil nicht klar unterschieden wird, ob einem Hund etwas beigebracht oder etwas abgewöhnt werden soll. Beides erfordert unterschiedliche Herangehensweisen.

Möchten Sie Ihrem Hund etwas beibringen, braucht es Verstärkung. Möchten Sie ihm etwas abgewöhnen, braucht es Unterbrechung. Beide Elemente haben ihren Platz, verlieren jedoch ihre Wirkung, wenn sie unsauber oder einseitig eingesetzt werden.

Beispiel: Leinenpöbeln

Ein Hund, der an der Leine pöbelt, braucht zunächst Orientierung. Er muss lernen, welches Verhalten in dieser Situation erwünscht ist, etwa Blickkontakt, Mitgehen oder Abstand halten. Dieses Verhalten lässt sich aufbauen.

Hat der Hund jedoch gelernt, dass Pöbeln zuverlässig zum Erfolg führt, etwa weil es Distanz schafft, bleibt dieses Verhalten funktional. In diesem Fall braucht es zusätzlich eine klare Grenze. Ohne Grenze bleibt das Verhalten sinnvoll. Ohne Alternative bleibt die Grenze leer.

Ignorieren ist keine neutrale Handlung

Ein besonders hartnäckiger Irrtum besteht darin, Ignorieren als neutral oder gar gewaltfrei zu betrachten. Lerntheoretisch ist Ignorieren eine Form der negativen Strafe. Negativ bedeutet hier nicht schlecht, sondern dass dem Hund etwas entzogen wird, etwa Aufmerksamkeit, Kontakt oder soziale Resonanz.

In bestimmten Situationen kann Ignorieren sinnvoll sein, etwa bei aufmerksamkeitssuchendem Verhalten. In anderen Situationen scheitert dieser Ansatz zwangsläufig. Ein Hund, der jagt, lässt sich nicht ignorieren. Ein Hund, der eskaliert, weil niemand reagiert, wird durch weiteres Ausbleiben von Rückmeldung häufig nicht ruhiger, sondern intensiver.

Ignorieren ist kein Allheilmittel. Es ist ein Werkzeug, das nur dann wirkt, wenn es zum Kontext passt.

Warum Lernen nicht mechanisch funktioniert

Die klassische Lerntheorie beschreibt Lernen oft als einfache Kette aus Reiz, Reaktion und Konsequenz. In der Realität ist Lernen deutlich komplexer.

Hunde bringen Emotionen, Vorerfahrungen, Stress, Erwartungen und individuelle Strategien mit. Sie gewöhnen sich an Reize, umgehen unangenehme Konsequenzen oder verlagern Verhalten. Manche Hunde werden durch Unterbrechung ruhiger, andere entwickeln Ausweichverhalten oder zeigen das unerwünschte Verhalten nur noch unbeobachtet.

Das bedeutet nicht, dass Lernen nicht funktioniert. Es bedeutet, dass Lernen nicht mechanisch ist. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, was wir getan haben, sondern was der Hund daraus gelernt hat.

Wenn Belohnung ihre Wirkung verliert

Viele Trainingsansätze betrachten Belohnung als grundsätzlich positiv. Sie kann jedoch problematisch werden, wenn sie an die Stelle sozialer Auseinandersetzung tritt.

Ein Hund, der permanent über Futter oder andere Reize gelenkt wird, trifft keine eigenen Entscheidungen. Er folgt Signalen, ohne Situationen selbst einzuordnen. Langfristig kann das dazu führen, dass Motivation abnimmt, Frustration steigt und eigenständiges Denken verloren geht.

Zudem kann eine Belohnung ihre Wirkung verlieren, wenn sie sehr häufig und ohne klare Abstufung eingesetzt wird. Dann wird sie für den Hund mit der Zeit „normal“ und motiviert weniger. In der Lerntheorie spricht man hier vom Depressionseffekt. Gemeint ist, dass die sichtbare Erwartungsfreude sinken kann und der Hund Verhalten nur noch wie auf Autopilot zeigt, oder es im Zweifel ganz weglässt, weil sich der Einsatz für ihn nicht mehr wirklich lohnt. Der sogenannte Verstärker, also das, was den Hund eigentlich motivieren soll, verliert an Wert.

Warum manche Verhaltensweisen so hartnäckig bleiben

Besonders stabil wird Verhalten dann, wenn es unregelmäßig Erfolg hat. Dieses Prinzip nennt man intermittierende Verstärkung.

Ein Hund, der gelegentlich mit Jagen Erfolg hat, wird weiter jagen, der hin und wieder etwas vom Tisch bekommt, wird weiter betteln. Ein Hund, der manchmal durch Pöbeln Abstand schafft, wird dieses Verhalten beibehalten.

Diese Form der Verstärkung macht Verhalten extrem widerstandsfähig gegenüber Veränderung und ist einer der Hauptgründe, warum viele Probleme trotz intensiver Bemühungen bestehen bleiben.

Lernen ist Beziehung

Was Hunde brauchen, um sinnvoll zu lernen

Hunde brauchen keine Perfektion. Sie brauchen Verständlichkeit.

Sie brauchen klare Rückmeldung, verlässliche Orientierung, zeitnahe Konsequenzen und eine soziale Einbettung, die Sicherheit gibt. Belohnung und Strafe sind keine Gegensätze. Sie sind Werkzeuge.

Entscheidend ist nicht, ob sie eingesetzt werden, sondern wie, wann und wofür.

Lernen ist Beziehung

Lassen Sie mich also gerne nochmal klar aussagen: Hunde lernen nicht dadurch, dass wir möglichst nett sind. Und sie lernen auch nicht dadurch, dass wir möglichst streng sind.

Sie lernen dort, wo Verhalten Sinn ergibt, wo Grenzen nachvollziehbar sind und wo Orientierung nicht verhandelbar ist.

Lernen ist Beziehung. Und Beziehung entsteht nicht durch Ideologie, sondern durch Klarheit.

Birthe Thompson

Birthe Thompson ist Tierpsychologin, Journalistin, Autorin, Coach und Bloggerin. Jahrelang Mehrhundehalterin, lebt sie heute mit ihrem Mann und derzeit zwei Rüden der Rasse Rhodesian Ridgeback im Norden Deutschlands. Über viele Jahre hat sie sich im aktiven Tierschutz verdient gemacht. Selbst war sie immer wieder Pflegestelle für Tierschutzhunde. Zu ihren Aufgaben gehörte es auch, Hunde einzuschätzen, um Vermittlungsprofile zu erstellen. Birthe Thompson ist Ansprechpartnerin für viele Bereiche zum Thema Hund. Gerade auch, wenn es um Tierschutz geht, brilliert sie durch ihre kompetente Vorgehensweise und ihr Wissen.

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