Einordnung
Die folgenden Quellen bilden die wissenschaftliche Grundlage für die Aussagen im Artikel „Muskelschwund nach der Kastration beim Hund“. Sie sind thematisch geordnet und jeweils kurz eingeordnet, um nachvollziehbar zu machen, welche Fragestellungen sie beantworten und welche nicht.
Studien zur Körperzusammensetzung nach Kastration
Kobayashi T., Koie H., Kusumi A. et al. (2014)
Comparative investigation of body composition in male dogs using computed tomography and body fat analysis software.
Journal of Veterinary Medical Science, 76(3), 439–446.
DOI: 10.1292/jvms.13-0291
Diese CT-Studie untersuchte Rüden vor und ein Jahr nach der Kastration. Sie zeigte eine signifikante Zunahme des subkutanen Körperfetts, insbesondere am Rumpf. Eine isolierte Abnahme der Muskelmasse wurde nicht als Hauptbefund dokumentiert.
Arreesrisom P., Chompoosan C., Nampan P. et al. (2022)
Using bioelectrical impedance analysis for modeling regression and predicting body fat accumulation in dogs in East Thailand.
Veterinary World, 15(6), 1520–1527.
Feldstudie zur Körperfettmessung bei Hunden. Kastrierte Tiere wiesen im Mittel einen höheren Körperfettanteil auf als intakte Hunde.
Li G., Arai T., Kitamura H. et al. (2012)
Supplementing five-point body condition score with body fat percentage increases the sensitivity for assessing overweight status of dogs.
Veterinary Medicine: Research and Reports, 3, 71–78.
Zeigt, dass Körpergewicht und Body-Condition-Score Fettzunahme unterschätzen können. Relevant für die Interpretation scheinbarer Muskelveränderungen.
Studien zu Übergewicht, Orthopädie und sekundärem Muskelabbau
Kealy R. D., Lawler D. F., Ballam J. M. et al. (2002)
Effects of diet restriction on life span and age-related changes in dogs.
Journal of the American Veterinary Medical Association, 220(9), 1315–1320.
Belegt den Zusammenhang zwischen Übergewicht, Gelenkerkrankungen und reduzierter Mobilität.
Smith G. K., Paster E. R., Powers M. Y. et al. (2006)
Lifelong diet restriction and radiographic evidence of osteoarthritis of the hip joint in dogs.
Journal of the American Veterinary Medical Association, 229(5), 690–693.
Zeigt Übergewicht als wesentlichen Risikofaktor für Arthrose und daraus resultierende Bewegungsprobleme.
Hormonelle Grundlagen
Johnston S. D., Root Kustritz M. V., Olson P. N. S. (2001)
Canine and Feline Theriogenology.
WB Saunders, Philadelphia.
Standardwerk zu Wirkung und Bedeutung von Sexualhormonen auf Stoffwechsel, Muskulatur und Knochen.
Olson P. N., Root Kustritz M. V., Johnston S. D. (2002)
Early-age neutering of dogs and cats in the United States.
Journal of the American Veterinary Medical Association, 220(9), 1193–1203.
Beschreibt systemische hormonelle Effekte nach Kastration.
Reviews und populationsbasierte Studien
Hart B. L., Hart L. A., Thigpen A. P. et al. (2020)
Long-term health effects of neutering dogs: comparison of Labrador Retrievers with Golden Retrievers.
PLoS ONE, 15(7), e0237218.
Zeigt erhöhte Risiken für Adipositas und orthopädische Erkrankungen nach Kastration.
Wissenschaftlicher Hinweis
Der aktuelle Stand der Forschung zeigt keine eindeutige Evidenz für einen primären, isolierten Muskelschwund allein durch Kastration beim Hund. Die Mehrheit der Studien belegt eine Fettzunahme und sekundäre Effekte, die funktionellen Muskelabbau begünstigen können.