Wenn Ruhe nicht sofort da ist, sondern langsam entsteht
Manchmal scheint äußerlich längst wieder alles ruhig, alles irgendwie wieder normal. Der Jahreswechsel liegt hinter Ihnen, der Alltag nimmt Fahrt auf, Termine füllen den Kalender. Und doch wirkt Ihr Hund noch ein wenig anders. Nicht auffällig, eher leise. Ein Zögern hier, ein längeres Liegen dort. Als würde etwas nachklingen, obwohl das Erlebte vorbei ist.
Das zeigt sich oft genau dann, wenn wir selbst wieder in Bewegung kommen. Während wir gedanklich schon weiter sind, arbeitet der Körper des Hundes noch an dem, was war. Er orientiert sich nicht an Daten oder Plänen, sondern an Zuständen. Und manche Zustände brauchen Zeit, um sich zu sortieren. Ich hatte hierzu schon im vorherigen Beitrag geschrieben.
Dabei reagieren Hunde sehr unterschiedlich. Mein Dante zum Beispiel ist das personifizierte Selbstvertrauen. Knallerei, Gewitter, Trubel. All das lässt ihn völlig unbeeindruckt. Er schläft einfach weiter. Aber ich weiß auch, dass Dante kein Maßstab ist. Er ist ein Hund mit einem Nervensystem, das schnell zur Ruhe findet.
Früher sah mein Silvester ganz anders aus. Mit meinem Zulu habe ich den Jahreswechsel unter Bettdecken verbracht, die Fenster abgedunkelt, den Fernseher laut aufgedreht, um die Welt draußen möglichst fernzuhalten. Wenn Sie eine Donna Krawalla oder einen Zulu an Ihrer Seite haben, kommt Ihnen das vielleicht bekannt vor. Diese dichte Wahrnehmung, dieses ständige Mitlauschen nach außen. Manchmal entsteht daraus ganz von selbst das Bedürfnis, sich zurückzuziehen oder diese Zeit besonders behutsam zu begleiten. Nicht, weil etwas nicht stimmt, sondern weil dieses System sehr genau registriert, was geschieht.
Nach solchen intensiven Zeiten bleibt im Nervensystem oft ein Nachhall zurück. Kein bewusstes Erinnern, sondern ein körperliches Sortieren. Der Organismus prüft noch, ob wirklich wieder Sicherheit da ist. Integration ist dabei kein aktiver Vorgang. Sie lässt sich nicht beschleunigen. Sie geschieht, wenn genug Ruhe entsteht und kein neuer Druck hinzukommt.
Vielleicht zeigt sich das heute noch ganz subtil. Bello liegt länger auf seinem Platz und braucht einen Moment, um aufzustehen. Hasso sucht auffallend viel Nähe oder zieht sich eher zurück. Das wirkt manchmal irritierend, besonders, wenn doch eigentlich alles überstanden scheint. Tatsächlich ist es häufig ein Zeichen dafür, dass der Körper noch dabei ist, Erlebtes einzuordnen.
Nicht alles, was wir bei unserem Hund beobachten, braucht sofort eine Reaktion. Manches möchte erst einmal wahrgenommen werden. Oft heißt das ganz konkret, einfach mit im Raum zu sein, ohne etwas zu kommentieren oder zu korrigieren. Vielleicht sitzt Ihr Hund in seiner Ecke, vielleicht liegt er näher bei Ihnen als sonst. Sie sind da, er ist da, und es muss gerade nichts weiter passieren. Ihr Hund funktioniert nicht wie ein Schalter, den man umlegt, damit wieder alles „passt“. Er ist ein lebendiges System, das sich Schritt für Schritt sortiert. Diese Stabilität entsteht nicht durch Tempo oder Aktivität, sondern durch Sicherheit. Durch das Gefühl, dass gerade nichts gefordert wird und nichts geleistet werden muss.
Vielleicht ist genau das die Qualität dieses Tages. Wahrnehmen, ohne zu bewerten. Zulassen, dass Ruhe nicht sofort da ist, sondern langsam ankommt. Und sich selbst erlauben, dabei ebenfalls ein wenig langsamer zu sein.
Hinweis: Ich hab da mal ’ne Frage …
Weitere Informationen:
https://wahnsinnshund.de/produkt/ich-hab-da-mal-eine-frage/
Nette Grüße
Birthe Thompson

