Im letzten Artikel ging es um Bitterstoffe und ihre regulierende Wirkung auf Verdauung und Stoffwechsel. Dort stand die körperliche Balance im Mittelpunkt.
Nun wenden wir uns einer Pflanze zu, die vor allem das Nervensystem unterstützt. Die Passionsblume für Hunde kann helfen, innere Unruhe zu dämpfen, ohne den Hund in eine künstliche Müdigkeit zu versetzen.
Stress ist kein reines Verhaltensthema. Er betrifft Nerven, Darm, Hormone und Immunreaktionen gleichermaßen. Genau hier setzt die Passionsblume an.
Was ist die Passionsblume und warum wird sie beim Hund eingesetzt
Die arzneilich genutzte Art heißt Passiflora incarnata. Sie gehört zu den traditionellen Heilpflanzen der europäischen Phytotherapie, also der wissenschaftlich fundierten Pflanzenheilkunde.
Welche Inhaltsstoffe wirken im Körper des Hundes
Die Wirkung der Passionsblume beruht vor allem auf sogenannten Flavonoiden. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe mit regulierender Wirkung auf Zellen und Botenstoffe. Besonders relevant sind Vitexin und Isovitexin.
Sekundäre Pflanzenstoffe sind natürliche Schutzstoffe der Pflanze. Im Organismus des Hundes wirken sie modulierend. Modulierend bedeutet, dass sie Prozesse nicht blockieren, sondern ausgleichen.
Zusätzlich enthält die Passionsblume geringe Mengen sogenannter Harman Alkaloide. Alkaloide sind stickstoffhaltige Pflanzenstoffe mit Wirkung auf das Nervensystem. In der Passionsblume liegen sie nur in sehr niedriger Konzentration vor und wirken nicht berauschend.
Entscheidend ist der Einfluss auf das GABA System. GABA ist ein hemmender Neurotransmitter, also ein beruhigender Botenstoff im Gehirn. Er dämpft Übererregung. Die Passionsblume unterstützt diese hemmende Regulation, ohne stark sedierend zu wirken. Sedierend bedeutet stark beruhigend bis schläfrig machend. Genau das ist hier in üblicher Dosierung nicht das Ziel.
Passionsblume für Hunde bei Stress und nervöser Unruhe
Nicht jede Unruhe ist krankhaft. Hunde reagieren sensibel auf Umweltreize, Veränderungen oder soziale Spannungen. Problematisch wird es, wenn der Körper nicht mehr in die Ruhe zurückfindet.
Wann Passionsblume für Hunde sinnvoll sein kann
Die Passionsblume für Hunde kann unterstützend eingesetzt werden bei:
- innerer Unruhe
- Reizoffenheit
- erhöhter Stressanfälligkeit
- stressbedingten Magen Darm Beschwerden
- Geräuschsensibilität
- Belastungsphasen wie Umzug oder Trainingsumstellungen
Hier wirkt sie regulierend, nicht betäubend. Der Hund bleibt ansprechbar. Seine Fähigkeit zur Verarbeitung von Reizen kann sich verbessern.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen akuter Angst und chronischer Übererregung. Akute Angst ist eine kurzfristige Stressreaktion. Chronische Übererregung beschreibt einen Zustand dauerhafter innerer Alarmbereitschaft. In beiden Fällen kann die Passionsblume unterstützen, ersetzt jedoch keine tierärztliche Abklärung oder Verhaltenstherapie.
Eine enge Verbindung besteht zur Darm-Hirn-Achse. Diese beschreibt die wechselseitige Kommunikation zwischen Darm und Nervensystem. Wenn Sie dazu mehr erfahren möchten, lesen Sie den Artikel zur Darm-Hirn-Achse beim Hund sowie den Beitrag zur Darmflora und zum Mikrobiom beim Hund.
Sicherheit und Dosierung der Passionsblume beim Hund
Pflanzen wirken sanft, aber nicht beliebig. Auch die Passionsblume für Hunde sollte verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Wie Sie Passionsblume beim Hund richtig dosieren
Die Dosierung hängt vom Körpergewicht, der individuellen Sensibilität und der Darreichungsform ab. Verwendet werden meist getrocknetes Kraut als Pulver oder standardisierte Extrakte.
Grundsätzlich gilt: einschleichend beginnen. Einschleichend bedeutet, mit einer niedrigen Menge zu starten und diese über mehrere Tage langsam zu steigern. So kann der Organismus sich anpassen.
Eine pauschale Dosierungsangabe ist nicht seriös. Bei sensiblen oder sehr kleinen Hunden sollte die Gabe immer mit fachkundiger Begleitung erfolgen.
Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Gabe von:
- Beruhigungsmitteln
- Antiepileptika
- stark sedierenden Medikamenten
Hier kann es zu Wechselwirkungen kommen. Wechselwirkung bedeutet, dass sich zwei Stoffe gegenseitig in ihrer Wirkung beeinflussen.
Nicht geeignet ist die Passionsblume als alleinige Maßnahme bei schweren Angststörungen, Panikreaktionen oder aggressivem Verhalten. In solchen Fällen gehört die Diagnostik in tierärztliche und gegebenenfalls verhaltenstherapeutische Hände.
Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen können
Die Passionsblume für Hunde ist eine nervenregulierende Heilpflanze mit Schwerpunkt auf sanfter Stressdämpfung.
Sie unterstützt das GABA System und kann Übererregung ausgleichen, ohne den Hund zu betäuben.
Sie eignet sich bei innerer Unruhe und stressbedingten Beschwerden, ersetzt jedoch keine tierärztliche Therapie.
Die Dosierung sollte immer einschleichend erfolgen und individuell angepasst werden.
Geduld ist entscheidend. Regulation entsteht nicht über Nacht, sondern durch konsequente, ruhige Begleitung.

