Der Jahreswechsel liegt hinter uns. Vielleicht ist Ihr Hund nach Silvester wieder ganz bei sich. Vielleicht aber auch nicht. Manche Hunde wirken in diesen Tagen noch unruhig, suchen mehr Nähe, erschrecken schneller oder verhalten sich einfach anders als gewohnt.
Die Tage rund um Silvester sind für viele Hunde kein einzelner Abend, sondern eine ganze Phase. Geräusche, die nicht einzuordnen sind. Gerüche, die plötzlich überall sind. Lichtblitze, Vibrationen, gespannte Menschen. Manchmal über Stunden, manchmal über mehrere Tage hinweg. Und selbst wenn „es vorbei ist“, ist es das im Körper nicht immer sofort.
Wenn Ruhe draußen einkehrt, im Körper aber noch nicht
Sollte Ihr Hund jetzt mehr Zeit brauchen, um wieder anzukommen, dann ist das kein Rückschritt. Kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist. Es ist eine ganz normale Reaktion eines Körpers, der gerade viel verarbeiten musste.
Um das einordnen zu können, lohnt sich ein kurzer Blick nach innen, nicht auf das Verhalten, sondern auf das Nervensystem. Das Nervensystem ist so etwas wie die innere Steuerzentrale. Es entscheidet, ob ein Hund sich sicher fühlt, ob er entspannen kann, ob Lernen und Verarbeitung überhaupt möglich sind. An Silvester steht diese Steuerung bei vielen Hunden auf Alarm. Nicht aus „Empfindlichkeit“, sondern weil alles gleichzeitig signalisiert: Achtung, hier stimmt etwas nicht.

Der Körper reagiert darauf mit Stress. Und Stress bedeutet zunächst einmal nichts Dramatisches. Es ist kein Synonym für Angst oder Panik. Stress beschreibt einen Zustand erhöhter innerer Aktivierung. Aufmerksamkeit geht nach oben, Reaktionen werden schneller, Erholung tritt in den Hintergrund. Kurzfristig ist das sinnvoll. Genau dafür ist dieses System gemacht. Schwieriger wird es, wenn dieser Zustand länger anhält oder wenn viele Reize auf einmal zusammenkommen.
Nach solchen Phasen beobachten viele Halter*innen Dinge, die irritieren. Der Hund ist schreckhafter, unruhiger, zieht sich zurück oder hängt plötzlich stärker am Menschen. Die Konzentration wirkt schlechter, Bekanntes scheint „vergessen“. Spaziergänge fühlen sich anstrengender an als vorher.
Das hat wenig mit Erziehung oder Training zu tun. Es hat damit zu tun, dass der Körper erst wieder aus diesem Alarmzustand herausfinden muss. Dieser Weg zurück in einen ruhigeren, sichereren Zustand wird Regulation genannt. Sie beschreibt die Fähigkeit des Körpers, nach Aufregung wieder herunterzufahren.
Ein regulierter Hund kann schlafen, sich entspannen, normal reagieren, verarbeiten und lernen. Nach intensiven Ereignissen wie Silvester braucht genau das Zeit. Manche Hunde kommen schneller wieder zur Ruhe. Bello zum Beispiel. Er war angespannt, hat die Knallerei wahrgenommen, aber sein System konnte relativ zügig wieder umschalten. Andere Hunde wie vielleicht Hasso reagieren sensibler. Für ihn waren die Geräusche deutlich bedrohlicher. Auch wenn draußen wieder Ruhe eingekehrt ist, arbeitet sein Nervensystem noch daran, Sicherheit herzustellen. Er ist nicht nachtragend. Nicht „schlecht drauf“. Sein Körper ist schlicht noch beschäftigt.
Gerade jetzt, zu Beginn des Jahres, ist das kein idealer Moment, um Erwartungen hochzuschrauben oder Verhalten kritisch zu bewerten. Trainingslücken, Vorsätze, neue Anforderungen, all das kann warten. Hilfreicher sind bekannte Abläufe, ruhige Spaziergänge, wenig Neues, ausreichend Schlaf. Vor allem aber: Verständnis statt Korrektur.
Wenn Ihr Hund gut gesichert durch diese Tage gekommen ist, war das bereits eine große Leistung. Von ihm und von Ihnen. Geduld in dieser Phase ist keine Schwäche. Sie ist Unterstützung. Dieses Jahr darf ruhig beginnen. Für Sie. Und für Ihren Hund.
Ich wünsche Ihnen ein zufriedenes 2026.
Nette Grüße
Birthe Thompson
