Wie Sie echte Kompetenz für Ihren Hund erkennen
Neulich auf meiner Hunderunde ist mir etwas passiert, das eigentlich völlig harmlos war, aber mir danach noch eine ganze Weile im Kopf herumging. Ich war mit meinem Hund Dante unterwegs. Ganz normal. Raus, Luft, Bewegung, Kopf frei bekommen. Diese Runde, die nicht nur dem Hund guttut, sondern auch einem selbst.
Und dann treffe ich zwei Frauen mit ihren Hunden. Freundlich, nett, man bleibt stehen, man redet kurz, die Hunde sortieren sich, und irgendwann läuft man einfach ein Stück gemeinsam.
Und ich weiß nicht, ob Sie das kennen, aber manchmal reichen zehn Minuten Gespräch, um zu merken: Das hier ist keine Unterhaltung. Das ist ein kleines Fachsymposium. Nur ohne Einladung.
Die beiden Frauen waren sofort im Thema. Erst ganz locker, so wie es immer anfängt: „Was fütterst du eigentlich gerade?“ Und ehe man sich versieht, ist man mitten in einer Diskussion, die klingt, als ginge es um Staatsgeheimnisse. Die eine schwört auf das eine Konzept, die andere auf das nächste. Mal geht es um Protein, mal um Kohlenhydrate, mal um Zusätze, mal um „das Immunsystem“. Und zwischendurch fallen diese Sätze, die in der Hundewelt immer fallen, wenn es ums Futter geht: „Also ich würde das ja niemals geben.“ Oder: „Das ist doch alles nur Industrie.“ Oder: „Das ist Gift.“
Ich lief einfach daneben, Dante an meiner Seite, und dachte mir: Faszinierend. Manche Menschen führen beim Spazierengehen nicht nur ihren Hund aus, sondern gleich noch eine komplette Fütterungsphilosophie.
Dann kam das Thema Training. Und zwar nicht als Erfahrung, sondern als Grundsatz. „Also ich sag dir, diese Hundeschulen…“ Und dann wurde in drei Sätzen eine ganze Berufsgruppe entsorgt. Danach Gesundheit mit den Tierärzten. „Die wollen ja nur Geld verdienen.“ Dann noch ein kurzer Ausflug in „Entgiftung“, „Darmaufbau“, „das Immunsystem“ und „das hat meine Freundin auch gehabt“. Und während ich so nebenherlaufe, denke ich mir: Wahnsinn! Manche Menschen tragen keine Leine in der Hand, sondern eine komplette Meinungskette.
Irgendwann, so nach ein paar Minuten, kam dann dieser Satz, der mich innerlich wirklich kurz schlucken ließ. Nicht weil er böse gemeint war. Sondern weil er so typisch ist. Einer dieser Sätze, die in der Hundewelt ständig fallen und trotzdem so viel anrichten können: „Du musst nur das und das machen, dann ist das Thema erledigt.“
Und da war er, der Moment, in dem ich innerlich ganz leise das Bild sah, das ich aus dem Business kenne. Enten und Adler.
Enten und Adler – eine Business-Metapher, die erschreckend gut zur Hundewelt passt
Ja, ich weiß. Klingt erst mal schräg. Aber bleiben Sie kurz bei mir.
Im Business gibt es eine Metapher, die viele nutzen, wenn sie über Dynamiken in Teams sprechen: Enten schwimmen im Teich. Viele Enten. Und wenn viele Enten zusammenkommen, wird aus einem Teich ein riesiger Ententeich. Laut, voll, wuselig, permanent in Bewegung. Und vor allem: permanent im Geschnatter.
Die Enten stehen dabei nicht zwingend für „dumme“ Menschen. Es geht nicht um Intelligenz. Es geht um ein Muster: viel Meinung, wenig Fundament. Viel Sicherheit im Ton, wenig Tiefe im Inhalt. Viel Wiederholung, viel Nachplappern und „Das ist immer so“, wenig „Kommt drauf an“. Und genau das ist das Gefährliche: Wenn hundert Enten gleichzeitig schnattern, klingt das nach Wahrheit. Oder wenigstens nach: „Da muss doch was dran sein.“
Und dann gibt es die Adler. Die schwimmen nicht im Ententeich und schnattern mit. Die fliegen darüber, kreisen, beobachten, sortieren. Nicht weil sie hochnäsig sind, sondern weil sie keine Zeit für Geschnatter haben. Die machen noch dieses alte Arbeiten: sauber, gründlich, Schritt für Schritt. Überblick statt Mitlaufen. Substanz statt Meinung. Sie müssen niemanden übertönen, nicht überzeugen. Sie müssen nur gut sein.
Der Satz, der alles auf den Punkt bringt:
Enten sind laut und viele. Adler sind selten und gut.
Ich muss gestehen: Ich benutze dieses Bild selbst manchmal. Wenn mich jemand fragt, wie ein Gespräch war, rutscht mir schon mal raus: „Oh Gott… was für eine Ente.“ Nicht nett, das gebe ich zu, aber sehr treffend. Und je älter ich werde, desto mehr merke ich: Diese Metapher ist weniger ein Urteil über Menschen als eine Erinnerung an mich selbst. Eine Art innerer Kompass.
Warum wir in der Hundewelt so leicht im Ententeich landen
Denn in der Hundewelt ist es tatsächlich oft so: Der Ententeich ist riesig.
Sobald es um Hunde geht, sind wir emotional. Und das ist logisch. Es geht um ein Lebewesen, das wir lieben. Es geht um Gesundheit, um Verhalten, um Angst, um Schmerzen, um dieses Gefühl von Verantwortung. Und genau dann sind wir besonders anfällig für Ententeiche. Weil wir Orientierung suchen. Und weil unser Gehirn in Unsicherheit gern nach dem greift, was sich nach Kontrolle anfühlt.
Und Kontrolle fühlt sich oft so an: klare Sätze, absolute Aussagen, schnelle Lösungen.
Das ist der Moment, in dem Enten besonders überzeugend wirken. Nicht, weil sie recht haben. Sondern weil sie laut sind, weil sie sicher klingen und präsent sind. Und weil sie meist nicht sagen: „Das könnte sein“, sondern: „Das ist so.“
Wo die Adler wirklich sind (Diagnostik statt Community)
Währenddessen fliegen die Adler irgendwo anders. Und das ist das Tragische: Die wirklich Guten sind oft nicht die Lautesten. Nicht die, die jeden Tag sichtbar sind. Nicht die, die überall ihren Senf dazugeben. Viele der besten Leute hängen nicht in Foren und Communities, um sich dort gegenseitig zu bestätigen. Die sitzen in der Diagnostik. Die denken nicht in einer einzigen Erklärung, sondern prüfen mehrere Möglichkeiten gegeneinander, bevor sie etwas behaupten. Die schauen nicht nur auf ein Symptom, sondern auf Zusammenhänge. Die lesen Fachbücher, nicht Kommentarspalten. Die gehen auf Fortbildungen, statt Trends hinterherzulaufen. Und wenn sie etwas sagen, dann nicht, weil sie gerade „auch mal was beitragen“ wollen, sondern weil es Substanz hat. Sie sind so beschäftigt, dass sie keine Zeit haben, mitzuschnattern.
Adler denken in Möglichkeiten, nicht in Dogmen
Und wenn man ihnen zuhört, merkt man sofort: Die reden anders. Adler behaupten nicht: „Das ist immer so.“ Sie sagen: „Das hängt davon ab.“ Auch meinen sie nicht: „Das ist die Lösung.“ Sie sagen: „Wir müssen erst verstehen, warum das passiert.“ Und sie raten nicht: „Mach das und dann ist gut.“ Sie sagen: „Wir gehen Schritt für Schritt.“
Was diese Metapher für Sie als Hundehalter*in bedeutet
Und genau da wird die Metapher plötzlich praktisch. Nicht um Menschen abzustempeln. Sondern um sich selbst zu ertappen.
Denn die entscheidende Frage ist nicht: „Wer ist hier eine Ente?“ Die entscheidende Frage ist: Wo suche ich gerade? Suche ich dort, wo das größte Gegacker ist? Wo die größte Präsenz ist? Wo es sich nach Sicherheit anfühlt, weil viele dasselbe sagen?
Oder hebe ich den Blick und schaue dorthin, wo die Adler fliegen? Dorthin, wo weniger geredet wird, aber gründlicher gearbeitet. Wo Diagnostik ernst genommen wird, Zusammenhänge sichtbar werden und nicht jede Situation in ein fertiges Dogma gepresst wird. Wo man Möglichkeiten gegeneinander abwägt, Grenzen kennt und nicht mit einem einzigen Satz alles erklärt, sondern mit einem Plan Schritt für Schritt wirklich etwas verbessert.
Als ich mich nach der Hunderunde verabschiedet habe, war ich freundlich, wie immer. Ich habe nicht diskutiert und niemanden korrigiert. Aber innerlich dachte ich nur: Genau deshalb brauchen wir in der Hundewelt mehr Adlerblick. Weniger Ententeich und Lautstärke. Weniger „Ich weiß es besser“. Stattdessen mehr Klarheit, mehr Tiefe und mehr echtes Handwerk statt Meinungskultur.
Mein Fazit: Ihr Hund braucht keine Lautstärke – er braucht Wirkung
Denn Ihrem Hund ist es egal, wer am überzeugendsten klingt. Ihrem Hund ist es egal, wer am meisten Präsenz hat. Ihrem Hund ist es egal, wer die größte Community hat.
Ihr Hund braucht keinen Ententeich. Ihr Hund braucht einen Adler.


