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Nicht alles, was auffällt, ist Verhalten

  • 12. Januar 2026
  • Birthe Thompson
Ein Dalmatiner liegt augenscheinlich entspannt in seinem Korb

Manchmal schleichen sich Veränderungen so leise in den Alltag ein, dass wir sie erst gar nicht als solche benennen können. Ihr Hund wirkt einfach anders. Es ist kein dramatischer Moment, in dem man sofort zum Telefon greift, um den Notdienst anzurufen. Er ist nicht im klassischen Sinne krank, er bricht nicht zusammen, und er zeigt auch keine Symptome, die in jedem Ratgeber unter der Rubrik Warnsignale stehen. Er frisst mit dem gewohnten Appetit, der Kotabsatz ist völlig unauffällig, und die täglichen Runden laufen eigentlich wie immer, wenngleich manchmal so ein Bauchgefühl entsteht. Wissen Sie, was ich meine? So ein Gefühl, das man gar nicht einordnen kann.

Es bleibt also dieses diffuse Gefühl in der Magengegend der Halter*innen. Ein leises Echo, das sagt: Da stimmt etwas nicht. Vielleicht zieht sich Ihr Hund mehr zurück als üblich. Vielleicht liegt er an Stellen, die er sonst eher meidet, oder er kugelt sich so fest ein, dass er fast wie eine kleine, in sich geschlossene Festung wirkt. Ihr geliebter vierbeiniger Freund bewegt sich vorsichtiger, fast so, als würde er durch unsichtbares Unterholz laufen, und wirkt insgesamt eher in sich gekehrt als präsent. In solchen Momenten beginnen wir ganz automatisch beim Naheliegenden zu suchen. Wir schauen auf das Futter oder wir interpretieren es als Verhalten. Irgendetwas muss es schließlich sein, das diese Veränderung auslöst, und oft suchen wir nach einer Erklärung, die wir kontrollieren können.
Hund liegt etwas gekrümmt im Korb

Wenn etwas nicht passt, aber nichts eindeutig ist

In diesen Phasen entsteht oft ein quälendes inneres Grübeln. Wir beobachten jede Bewegung, jeden Blick und versuchen, ein Muster zu erkennen, wo vielleicht gerade gar kein offensichtliches Muster ist. Unsere Augen kleben regelrecht auf unserem Hund.Ihr Schatz ist zwar körperlich anwesend, aber er wirkt nicht richtig entspannt. Er scheint gleichzeitig präsent und doch seltsam abwesend zu sein, als wäre ein Teil seiner Aufmerksamkeit ständig nach innen gerichtet.

Wenn wir in dieser Verunsicherung feststecken, neigen wir dazu, die Situation in zwei bekannte Schubladen zu sortieren: Entweder wir denken, es ist wieder sein Thema: vielleicht ein Rückfall in alte Ängste, ein Zeichen von früherem Trauma oder einfach eine Phase von Ungehorsam und Eigensinn. Oder wir vermuten sofort, dass das Futter die Ursache ist. Das Netzt ist voll mit Informationen zu und um Futter, sodass sich unsere Gedanken schon so damit beschäftigen mussten, dass Futter immer als Auslöser in Betracht kommen kann. Wir fragen uns, ob die Zusammensetzung noch stimmt, ob wir etwas ergänzen müssen oder ob eine Unverträglichkeit vorliegt. Beides fühlt sich im ersten Moment unglaublich logisch an, weil es uns eine Handhabe gibt. Wir können das Training anpassen oder den Napfinhalt ändern. Doch oft greift beides viel zu kurz. Wir müssen uns klarmachen: Nicht alles, was sich im Wesen eines Hundes verändert, ist tatsächlich ein reines Verhaltensproblem, und nicht alles, was uns am Befinden komisch vorkommt, hat seinen Ursprung zwangsläufig im Stoffwechsel oder im Futter.

Ein Hund kann sich zurückziehen, ohne emotional überfordert zu sein

Es ist ein weit verbreiteter Trugschluss, dass Rückzug immer eine rein psychische Reaktion sein muss. Ein Hund, der sich einkugelt, der auffällig gekrümmt liegt, sich nicht mehr lang streckt oder sich sichtlich schont, zeigt diesen Zustand nicht immer aus einer emotionalen Not heraus. Wir Menschen neigen dazu, dem Hund Absichten oder psychische Zustände zu unterstellen, wenn er sich isoliert. Wir denken an Traurigkeit, an Trotz oder an eine depressive Verstimmung. Doch die Biologie ist oft viel pragmatischer.

Manche Hunde ziehen sich zurück, weil sie emotional belastet sind, das ist wahr. Aber viele andere tun es schlichtweg deshalb, weil sie körperlich etwas entlasten müssen. Von außen betrachtet sieht das oft täuschend gleich aus. Ein Hund mit Schmerzen im Bewegungsapparat, beispielsweise im Rücken, liegt anders. Er versucht aktiv, jede unnötige Spannung zu vermeiden und manchmal auch Zug zu verursachen, um den Schmerz quasie „rauszuziehen“. Rückenschmerzpatient*innen wissen wohl genau, was ich meine. Ihr Hund  hält sich ruhig und meidet Interaktionen, weil jede größere Bewegung, jede freudige Begrüßung oder jedes schnelle Aufstehen unangenehm sein könnte. Sein Nervensystem reagiert auf diese körperlichen Reize mit einer Schutzreaktion: Schonung. Es antwortet nicht mit lautem Ausdruck, mit Winseln oder Humpeln, sondern mit einem ganz stillen, fast unsichtbaren Rückzug. Und genau hier liegt die große Schwierigkeit für uns Menschen, weil diese Signale nicht schreien. Sie flüstern nur.

HUnd verhalten auf der Hunderunde.

Warum wir dann oft beim Futter landen

Dass wir beim Futter landen, hat einen psychologischen Grund: Futter ist für uns kontrollierbar. Es ist ein Bereich, in dem wir als Halter*innen aktiv werden können. Wir kaufen andere Marken, wir lassen Blutbilder machen, wir suchen nach der einen Zutat, die vielleicht alles verändert. Es ist eine Form von Handlungssicherheit in einer Situation, die sich eigentlich unsicher anfühlt. Hierzu lesen wir fast täglich etwas. Das ist vertraut.

Besonders wenn ein Hund sich im Gesamtbild verändert, aber die offensichtlichen Anzeichen wie Durchfall, Erbrechen oder Appetitlosigkeit fehlen, schleicht sich der Gedanke ein, dass es eine „stille“ Unverträglichkeit sein muss. Wir investieren viel Zeit und Energie in die Optimierung des Napfes, oft in der Hoffnung, damit auch das Verhalten oder den Rückzug des Hundes zu „reparieren“. Doch wir dürfen dabei nicht vergessen: Nicht jede Veränderung im inneren Zustand hat ihren Ursprung im Verdauungstrakt. Nicht jede innere Belastung kommt aus dem Magen-Darm-Bereich. Manchmal liegt die Ursache an einer Stelle, die wir im ersten Moment gar nicht mit dem Verhalten verknüpfen: in der Muskulatur, in den Gelenken oder tief in der Struktur des Bewegungsapparates. Bereiche, die sich eben nicht über die klassischen Symptome melden, die wir so gut kennen.

Verhalten ist manchmal nur die Verpackung

Ich erinnere mich an ein Beispiel aus meiner Arbeit, das genau diesen Punkt verdeutlicht. Es war ein Hund, der ohnehin als etwas „anspruchsvoller“ galt. Der Rüde hatte eine traumatische Vergangenheit und neigte schon immer dazu, entweder nach vorne zu gehen oder sich komplett zurückzuziehen. Plötzlich zeigte er sich wieder extrem in sich gekehrt. Er wich Berührungen aus und lag oft so merkwürdig eingekugelt da, nicht mehr lang ausgestreckt, obwohl er eigentlich entspannt wirken sollte. Die Halterin war verunsichert. Die Halterin suchte die Ursache wieder im Futter. Aber, da er fraß und sein Kotabsatz prima war, auf meine Nachfragen, schmatzen, aufstoßen, angespannter Bauch, buckeln verneint wurden, machte ich mich auf die Suche. Die Hundehalterin war bereit, alles umzustellen, weil sie dachte, das „komische“ Verhalten müsse wieder eine Reaktion auf eine innere Unverträglichkeit sein.

Doch bei genauem Hinsehen wurde klar: Der Hund zeigte keinen Schmerz im herkömmlichen Sinne. Er schrie nicht auf, er lahmte nicht, er verweigerte keine Spaziergänge, obwohl er sie kontrolliert absolvierte. Der „Junge“ war einfach nur anders da. Er war weniger beweglich in seinem gesamten Ausdruck, weniger offen für seine Umwelt. Es war kein psychischer Rückfall in sein altes Trauma. Es war eine rein körperliche Strategie. Die Frage war nicht: Warum verhält er sich so? Sondern: Was versucht sein Körper gerade zu entlasten? Am Ende stellte sich heraus, dass Probleme im Bereich der Lendenwirbelsäule (LW6/LW7) vorlagen. Sobald diese körperliche Blockade durch die Physiotherapie gelöst wurde, veränderte sich auch das Verhalten sofort wieder. Der Rüde wurde wieder „er selbst“. Das Verhalten war hier lediglich die Verpackung für einen körperlichen Zustand.

Deutsche Dogge bei der Physiotherapie

Warum genaues Hinschauen entlastet

Solche Situationen zu erleben, ist kein Zeichen von Versagen, weder auf Ihrer Seite noch auf der Seite Ihres Hundes. Es ist auch kein Zeichen dafür, dass man den Hund nicht gut genug kennt. Vielmehr zeigen uns diese Momente, wie untrennbar das Nervensystem, der Körper und das, was wir als Verhalten bezeichnen, miteinander verwoben sind. Es gibt keine klare Trennlinie zwischen „psychisch“ und „physisch“.

Es ist eine Einladung an uns alle, einen Schritt zurückzutreten und nicht sofort ein Etikett zu vergeben. Wir müssen nicht sofort wissen, ob es nun das Futter, das Training oder das Alter ist. Oft reicht es erst einmal aus, anzuerkennen, dass das Verhalten nur ein Hinweis ist. Es ist kein Fehler, der korrigiert werden muss, sondern eine Information, die wir einordnen dürfen. Nicht alles ist ein Erziehungsthema, nicht alles liegt am Futter, und nicht alles lässt sich im oft so turbulenten Alltag sofort zweifelsfrei klären.

In dieser Woche möchten wir genau dafür den Raum öffnen: Wir wollen gemeinsam lernen, Zusammenhänge neu zu denken und dem Hund das zugestehen, was wir uns selbst auch oft wünschen: dass man einfach mal „nicht gut drauf“ sein darf, weil der Körper gerade Schwerstarbeit leistet, um etwas auszugleichen, das von außen noch gar nicht sichtbar ist.

Nette Grüße

Birthe Thompson

Birthe Thompson

Birthe Thompson ist Tierpsychologin, Journalistin, Autorin, Coach und Bloggerin. Jahrelang Mehrhundehalterin, lebt sie heute mit ihrem Mann und derzeit zwei Rüden der Rasse Rhodesian Ridgeback im Norden Deutschlands. Über viele Jahre hat sie sich im aktiven Tierschutz verdient gemacht. Selbst war sie immer wieder Pflegestelle für Tierschutzhunde. Zu ihren Aufgaben gehörte es auch, Hunde einzuschätzen, um Vermittlungsprofile zu erstellen. Birthe Thompson ist Ansprechpartnerin für viele Bereiche zum Thema Hund. Gerade auch, wenn es um Tierschutz geht, brilliert sie durch ihre kompetente Vorgehensweise und ihr Wissen.

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