Auffällige Ohren beim Hund – warum sie so häufig verunsichern
Auffällige Ohren beim Hund gehören zu den häufigsten Beobachtungen, die Hundehalterinnen und Hundehalter verunsichern. Nicht, weil sie immer schwerwiegend sind, sondern weil sie schwer einzuordnen sind. Ein Ohr, das häufiger verschmutzt ist als früher. Ein Geruch, der neu ist. Eine Veränderung der Ohrhaut, ohne dass der Hund deutlich leidet. All das bewegt sich in einem Bereich, der weder eindeutig gesund noch eindeutig krank ist.
Gerade dieser Zwischenbereich wird oft missverstanden. Entweder, indem man ihn ignoriert, oder indem man ihn vorschnell als Problem definiert. Beides wird dem Hund selten gerecht.
Auffällige Ohren beim Hund sind nicht automatisch krank
Denn nicht jedes auffällige Ohr ist krank. Und nicht jede Veränderung ist eine Entzündung. Ohren reagieren sensibel auf Veränderungen im Körper, oft früher als andere Bereiche. Das macht sie nicht zu einem Problemorgan, sondern zu einem Ort, an dem sich innere Prozesse zeigen können.
Häufig beginnt es mit einer Veränderung des Ohrenschmalzes (Cerumen, medizinischer Begriff für Ohrenschmalz). Die Menge nimmt zu, die Konsistenz verändert sich, manchmal auch der Geruch. Die Ohrhaut selbst ist dabei oft noch reizlos. Kein Schmerz, kein ausgeprägter Juckreiz, keine Entzündung. Und doch ist etwas anders als zuvor.
Solche Veränderungen sind keine Diagnose. Sie sind Beobachtungen. Und Beobachtungen verdienen Einordnung.
Wann ein Ohr noch im Normalbereich liegt
Ein gesundes Ohr kann durchaus verschmutzt sein. Gleichmäßige Ablagerungen, kaum Geruch, keine Rötung, kein Unbehagen für den Hund – all das bewegt sich im Rahmen normaler Selbstregulation. Hier reicht in der Regel eine zurückhaltende Pflege. Mehr Eingriff bringt keinen Nutzen.
Vom auffälligen zum gereizten Ohr
Anders verhält es sich, wenn das Ohr wiederholt gereizt wirkt. Das Ohrenschmalz nimmt zu, wird dunkler oder fettiger, der Geruch verändert sich, der Hund schüttelt gelegentlich den Kopf oder kratzt sich kurz. Die Ohrhaut kann leicht gerötet sein, ohne dass eine echte Entzündung vorliegt. In diesem Stadium ist nicht vorrangig Behandlung gefragt, sondern Aufmerksamkeit. Denn ein gereiztes Ohr ist häufig ein Hinweis darauf, dass der Organismus an anderer Stelle stärker gefordert ist.
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Wann ein Ohr entzündet ist
Eine Entzündung wiederum zeigt sich deutlicher. Rötung, Schwellung, Schmerzreaktionen, starker Geruch, nässendes oder eitriges Sekret. Hier besteht kein Interpretationsspielraum. Ein entzündetes Ohr gehört tierärztlich abgeklärt und behandelt. Diese klare Trennung ist wichtig, um weder zu bagatellisieren noch zu übertherapieren.
Wiederkehrende auffällige Ohren beim Hund verstehen
Gerade dort, wo Reizungen oder Entzündungen immer wiederkehren, lohnt sich der Blick über das Ohr hinaus. Denn wiederkehrende Auffälligkeiten entstehen selten zufällig.
Der Organismus eines Hundes ist darauf ausgelegt, Belastungen auszugleichen. Dieser Ausgleich geschieht kontinuierlich und meist unbemerkt. Erst wenn bestimmte Systeme über längere Zeit stärker gefordert sind, verändern sich Reaktionsmuster. Haut, Schleimhäute und Ohren gehören zu den Bereichen, an denen sich solche Verschiebungen gut ablesen lassen.
Der Zusammenhang zwischen Ohr, Darm und Stoffwechsel
Eine zentrale Rolle spielt dabei häufig der Verdauungstrakt. Nicht zwingend in Form akuter Beschwerden, sondern oft funktionell. Eine dauerhaft geforderte Darmschleimhaut, häufige Futterwechsel, eine hohe Proteinvielfalt oder Fettmengen und Fettqualitäten, die nicht optimal verarbeitet werden, verändern die immunologische Lage des Körpers. Der Organismus passt sich an, verteilt Reize neu, sucht Entlastung.
Die Haut im Gehörgang ist dünn, gut durchblutet und eng mit dem Immunsystem verbunden. Sie reagiert empfindlich auf solche Veränderungen. Nicht, weil sie die Ursache ist, sondern weil sie ein Ort ist, an dem sich innere Belastungen zeigen können.
Warum Behandlung allein oft nicht ausreicht
Viele Hundehalterinnen und Hundehalter erleben an diesem Punkt eine gewisse Ratlosigkeit. Die Ohren werden behandelt, es wird besser, dann kommt die Auffälligkeit zurück. Manchmal in abgeschwächter Form, manchmal deutlicher. Was fehlt, ist nicht der nächste Pflegeschritt, sondern der Zusammenhang.
Nach meiner Erfahrung verändert sich die Situation dann nachhaltig, wenn der innere Druck reduziert wird. Das geschieht nicht durch pauschales Weglassen, sondern durch Struktur. Durch eine Fütterung, die überschaubar ist. Durch Proteinquellen, die passen. Durch eine Fettversorgung, die den Stoffwechsel unterstützt, statt ihn zusätzlich zu fordern. Und durch ausreichend Zeit für Stabilisierung.
Gerade selbst zubereitete Rationen können hier eine wichtige Rolle spielen. Nicht aus Überzeugung, sondern aus praktischer Notwendigkeit. Sie ermöglichen Kontrolle. Und Kontrolle schafft Entlastung.
Wenn diese Entlastung greift, verändern sich die Ohren oft schrittweise. Die Ablagerungen werden weniger. Die Abstände zwischen Auffälligkeiten größer. Der Bedarf an äußerer Behandlung nimmt ab. Nicht, weil das Ohr „trainiert“ wurde, sondern weil der Körper insgesamt stabiler arbeitet.
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Vorbereitung auf Tierarzt- und Therapeutentermine
An diesem Punkt verändert sich auch der Blick auf Termine bei Tierärztinnen, Tierärzten oder Therapeutinnen. Sie werden nicht mehr als „Reparaturtermine“ verstanden, sondern als gemeinsame Einordnung. Wer weiß, seit wann eine Auffälligkeit besteht, wie sie sich verändert hat, was gefüttert wird und was bereits versucht wurde, bringt eine ganz andere Grundlage mit.
Es hilft, sich vor einem Termin vorzubereiten und sich einige Fragen bewusst zu machen. Wann sind die Ohren erstmals auffällig geworden? Wie sehen die Veränderungen aus? Treten sie einseitig oder beidseitig auf? Gibt es Phasen, in denen die Ohren unauffällig sind? Welche Maßnahmen wurden bisher ergriffen und wie nachhaltig war die Wirkung? Und nicht zuletzt: Wie sieht das Gesamtbild des Hundes aus? Verdauung, Fell, Haut, Energie …
Solche Beobachtungen ersetzen keine Diagnose. Aber sie schaffen Orientierung. Sie ermöglichen es, Zusammenhänge schneller zu erkennen und gezielter zu arbeiten. Zum Wohl des Hundes und oft auch zur Entlastung aller Beteiligten.
Auffällige Ohren sind kein Grund zur größten Sorge. Aber sie sind ein Anlass, genauer hinzusehen. Nicht jedes Ohr braucht sofort eine Behandlung. Manches braucht vor allem Einordnung, Struktur und Zeit.
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