Wenn die Bauchspeicheldrüse überfordert ist und warum schnelle Hilfe so wichtig ist
Es gibt Erkrankungen, die Hundehalter*innen sofort erkennen: ein lahmendes Bein, eine Wunde, ein plötzliches Humpeln. Und dann gibt es Krankheiten, die sich eher zwischen den Zeilen zeigen. Eine davon ist die Pankreatitis beim Hund, also eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Der Hund wirkt einfach anders: müde, still, irgendwie nicht richtig da. Er frisst nicht, er zieht sich zurück, vielleicht erbricht er, vielleicht auch nicht. Und Sie merken: Irgendetwas stimmt nicht.
Eine mögliche Ursache dafür kann eine Pankreatitis sein, also eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Diese Diagnose macht vielen Menschen Angst, weil sie nach etwas klingt, das man kaum greifen kann. Genau deshalb ist es so wichtig, dass Sie verstehen, was im Körper passiert. Verständnis nimmt Druck. Und es hilft Ihnen, ruhig und klar zu handeln.
Was die Bauchspeicheldrüse beim Hund eigentlich macht
Die Bauchspeicheldrüse liegt im vorderen Bauchraum, in der Nähe von Magen und Dünndarm. Sie ist kein Organ, über das man im Alltag viel nachdenkt, aber sie hat Aufgaben, die jeden Tag über Gesundheit oder Krankheit mitentscheiden.
Sie produziert Verdauungsenzyme. Das sind Stoffe, die im Darm dabei helfen, Futter zu zerlegen: Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate werden so aufgespalten, dass der Körper sie aufnehmen kann. Gleichzeitig produziert die Bauchspeicheldrüse Hormone, vor allem Insulin. Insulin sorgt dafür, dass der Blutzucker in einem guten Bereich bleibt.
Man kann sich das Pankreas wie eine empfindliche Fabrik vorstellen. Dort werden Substanzen hergestellt, die stark genug sind, Nahrung zu zersetzen. Damit diese Stoffe nicht das Organ selbst angreifen, hat der Körper einen Sicherheitsmechanismus eingebaut: Die Enzyme werden zunächst in einer inaktiven Form gespeichert, also gewissermaßen gesichert. Erst im Darm werden sie aktiviert.
Was bei einer Pankreatitis im Körper schiefläuft
Bei einer Pankreatitis beim Hund funktioniert dieser Schutz nicht mehr zuverlässig. Es kommt zu einer Fehlsteuerung, und Verdauungsenzyme werden zu früh aktiv, also dort, wo sie niemals aktiv sein sollten: in der Bauchspeicheldrüse selbst. Das Gewebe wird gereizt und geschädigt, es entsteht eine Entzündung. Je nachdem, wie stark diese Entzündung ist, kann sie nicht nur das Pankreas belasten, sondern den ganzen Körper mit in Mitleidenschaft ziehen.
Warum Pankreatitis nicht immer sofort erkannt wird
Viele Hunde zeigen bei einer Pankreatitis typische Symptome: Sie fressen nicht, sie wirken abgeschlagen, sie erbrechen teils heftig. Manche bekommen Durchfall. Manche zeigen deutlich Bauchschmerzen. In schweren Fällen kann es auch zu Blut im Erbrochenen oder im Kot kommen.
Bauchschmerzen sind kein Muss
Ein Punkt ist besonders wichtig, weil er in der Praxis immer wieder zu Fehleinschätzungen führt: Fehlende Bauchschmerzen schließen eine Pankreatitis nicht aus. In einer Untersuchung hatten nur etwa ein Drittel der Hunde mit Hinweis auf Pankreatitis ein eindeutig schmerzhaftes Abdomen.
Das bedeutet: Ein Hund kann eine Pankreatitis haben, auch wenn er bei der Untersuchung nicht auffällig „weh tut“.
Was eine Pankreatitis begünstigen kann
Es gibt nicht den einen Auslöser, der bei allen Hunden gleich ist. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen. Zu den bekannten Risikofaktoren zählen Übergewicht und ein insgesamt belasteter Stoffwechsel. Auch Situationen, in denen die Durchblutung im Körper schlechter ist, können eine Rolle spielen, etwa nach Operationen, bei Kreislaufproblemen oder nach einem Trauma.
Blutfette sind ein wichtiges Thema
Hohe Blutfettwerte gelten eher als begünstigender Faktor. Das heißt: Sie lösen nicht automatisch eine Pankreatitis aus, können aber den Boden bereiten. Besonders bekannt ist hier der Zwergschnauzer, der häufiger zu erhöhten Blutfetten neigt und dadurch ein erhöhtes Risiko tragen kann.
Nicht immer ist es das „fette Essen“
Viele Menschen verbinden Pankreatitis sofort mit einem Fettunfall. Das kann vorkommen, aber es ist nicht die ganze Wahrheit. In einer Studie hatten viele betroffene Hunde vor dem Ereignis ganz normal gefressen. Kein Festessen, keine Tischreste, keine extreme Ausnahme.
Das zeigt: Pankreatitis entsteht oft nicht durch einen einzigen Fehler, sondern durch ein Zusammenspiel aus Veranlagung, Stoffwechsel, Belastung und manchmal auch schlicht Pech.
Wie die Diagnose gestellt wird
Für die Diagnose einer Pankreatitis beim Hund werden mehrere Bausteine kombiniert.Viele Tierhalter*innen wünschen sich einen einzigen Wert, der alles beweist. So funktioniert Medizin leider selten. Pankreatitis ist in der Praxis oft eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet: Es werden mehrere Bausteine zusammengesetzt, bis das Gesamtbild stimmig ist. Dazu gehören die Vorgeschichte, die klinische Untersuchung, die Bildgebung und Laborwerte.
Welche Laborwerte wirklich weiterhelfen
Amylase ist zu unspezifisch
Amylase kann bei vielen Problemen erhöht sein, zum Beispiel bei Darmerkrankungen oder Nierenproblemen. Deshalb ist sie alleine nicht geeignet, um eine Pankreatitis sicher zu diagnostizieren.
Lipase ist nicht gleich Lipase
Viele kennen den Begriff Lipase als klassischen Wert für Pankreatitis. Das Problem ist: Im Körper gibt es mehrere Lipasen, nicht jede stammt aus der Bauchspeicheldrüse. Entscheidend ist deshalb, ob ein Test wirklich pankreasspezifisch misst.
DGGR-Lipase und spezifische Pankreaslipase
In der Praxis werden häufig DGGR-Lipase und die spezifische Pankreaslipase genutzt. Beide sind deutlich hilfreicher als unspezifische Enzymwerte. Wichtig ist aber: Auch diese Werte müssen immer im Zusammenhang interpretiert werden, weil sie durch andere Erkrankungen beeinflusst sein können, zum Beispiel bei schweren Nierenproblemen oder hormonellen Störungen.
Beim Monitoring gilt: Bleiben Sie bei einem Test
Wenn ein Hund über die Zeit kontrolliert werden soll, ist ein Punkt zentral: Wählen Sie einen pankreasspezifischen Test und bleiben Sie dabei. Inhouse-Tests und Referenzlabortests messen nicht immer identisch, und Werte sind nicht immer eins zu eins übertragbar. Ich schreibe es deshalb, weil ich weiß, dass in der Sorge um den geliebten Hund, öfter die Tierärzt*innen gewechselt werden. Die Praxen haben unterschiedliche Labore, eigene ider Fremdlabore. Es ist aber wichtig, gleichbleibende Laborbedingungen zu haben, um vergleichen zu können.
Was der Ultraschall zeigen kann
Der Ultraschall liefert oft wertvolle Hinweise. Bei einer akuten Pankreatitis kann die Bauchspeicheldrüse vergrößert wirken. Das umliegende Fettgewebe kann auffällig sein, und manchmal sieht man Flüssigkeit oder Reaktionen im angrenzenden Gewebe.
Der Ultraschall ist sehr hilfreich, aber er ist kein alleiniger Beweis. Er ist ein Teil des Gesamtbildes, das zusammen mit Untersuchung und Laborwerten bewertet werden muss.
Wie Pankreatitis beim Hund behandelt wird
Die Therapie richtet sich danach, wie schwer der Hund betroffen ist. Aber die wichtigsten Bausteine sind bei vielen Patienten ähnlich.
Flüssigkeitstherapie ist die Basis
Hunde mit Pankreatitis verlieren durch Erbrechen und Durchfall häufig viel Flüssigkeit. Gleichzeitig braucht das Pankreas eine gute Durchblutung, um sich erholen zu können. Deshalb ist eine passende Infusionstherapie ein zentraler Grundpfeiler. Gerade bei schweren Verläufen reicht es nicht, nur ein bisschen Flüssigkeit zu geben. Es muss wirklich ausgeglichen werden.
Übelkeit und Erbrechen müssen kontrolliert werden
Medikamente gegen Übelkeit sind wichtig, damit der Hund wieder trinken und fressen kann. Maropitant wird hier häufig eingesetzt. Bei bestimmten Situationen kann auch Metoclopramid sinnvoll sein, vor allem wenn der Darm träge ist.
Schmerztherapie ist kein Extra, sondern Pflicht
Pankreatitis tut weh. Und Schmerzen belasten nicht nur den Hund, sondern erschweren auch die Genesung. Deshalb gehört eine gute Schmerzlinderung zur Basistherapie.
Antibiotika sind nicht automatisch nötig
Viele erwarten bei einer Entzündung automatisch Antibiotika. Bei Pankreatitis ist das in den meisten Fällen nicht sinnvoll, weil die Entzündung häufig zunächst steril ist. Antibiotika sind nur dann angezeigt, wenn ein starker Verdacht auf bakterielle Beteiligung besteht, zum Beispiel bei Abszessen oder infiziertem Gewebe.
Fütterung: Warum man heute nicht mehr lange fasten lässt
Früher hat man Hunde mit Pankreatitis oft lange nüchtern gelassen. Heute weiß man: Langes Fasten kann dem Darm schaden. Die Darmschleimhaut wird schwächer, wenn sie nicht ernährt wird. Das kann das Risiko erhöhen, dass unerwünschte Stoffe aus dem Darm in den Körper gelangen. Deshalb gilt heute: Sobald das Erbrechen unter Kontrolle ist, wird wieder gefüttert, vorsichtig und in kleinen Portionen.
Fett spielt beim Hund eine besondere Rolle
Beim Hund wird häufig empfohlen, den Fettgehalt deutlich zu reduzieren, weil Fett die Magenentleerung verzögern und das Pankreas zusätzlich belasten kann.

Liebe Leser*innen,
Pankreatitis ist keine Erkrankung, die man mit einem einzigen Trick löst. Aber sie ist auch keine Diagnose, die automatisch hoffnungslos ist. Entscheidend ist, dass Ihr Hund stabilisiert wird, dass Übelkeit und Schmerz gut behandelt werden und dass die Ernährung so angepasst wird, dass das Pankreas entlastet wird.
Wenn Sie als Halter*in verstehen, was im Körper passiert, können Sie bessere Entscheidungen treffen. Sie können Warnzeichen schneller erkennen. Und Sie können Ihrem Hund ruhiger und klarer helfen, weil Sie wissen, warum bestimmte Schritte wichtig sind.


